Die wenigsten Menschen machen eine Wandlung durch wie Irfan Peci. Mit 17 Jahren leitete er das deutschsprachige Propagandaprogramm von Al-Qaida – und später arbeitete er als V-Mann für den Verfassungsschutz.

Geboren: 1989 in Jugoslawien ·
Bekannt als: Ehemaliger Islamist, V-Mann des Verfassungsschutzes ·
Konversion: Taufe zum Christentum (umstritten) ·
Rolle bei Al-Qaida: Leiter des deutschsprachigen Propaganda-Programms (2007)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
  • Peci war Deutschland-Chef der Globalen Islamischen Medienfront (GIMF) (stern)
  • Verfassungsschutz warb ihn 2009 als V-Mann an (stern)
  • Lieferte Informationen über Terrorverdächtige in Berlin (Der Spiegel)
2Was unklar ist
  • Genaues Datum der Taufe (keine unabhängige Bestätigung) (stern)
  • Echtheit der Konversion: von ehemaligen Weggefährten angezweifelt (stern)
  • Von Peci behauptete Zahlungen an Al-Qaida-Kontakte (stern)
3Zeitleisten-Signal
  • 1989: Geburt in Jugoslawien
  • 2007: Leiter der Al-Qaida-Propaganda
  • 2009–2010: V-Mann des Verfassungsschutzes
  • 2023: Öffentliche Taufe
4Wie es weitergeht
  • Peci tritt als Webvideoproduzent auf, äußert sich zu Islam und Gesellschaft
  • Offizielle Überprüfung der Taufe durch kirchliche Stellen? Bislang nicht bekannt.

Sechs Fakten auf einen Blick: die zentralen Daten zu Herkunft, Radikalisierung und Wende.

Merkmal Wert
Vollständiger Name Irfan Peci
Geburtsjahr 1989
Geburtsort Jugoslawien (heute Serbien)
Aufgewachsen in Weiden in der Oberpfalz, Deutschland
Bekannte Rolle Ehemaliger Islamist und V-Mann des Verfassungsschutzes
Konversion Zum Christentum (Taufe, umstritten)

Die Tabelle zeigt: Die gesicherten Eckdaten beschreiben einen radikalen Wandel – vom Propagandisten zum Spitzel, dann zum bekennenden Christen.

Wer ist Irfan Peci?

Frühes Leben und Radikalisierung

Irfan Peci wurde 1989 in Jugoslawien geboren und wuchs als bosnisches Migrantenkind in Weiden in der Oberpfalz auf, so eine Dokumentation des Bayerischen Rundfunks (BR). Mit 17 Jahren radikalisierte er sich und übernahm die Leitung des deutschsprachigen Propagandaprogramms der Globalen Islamischen Medienfront (GIMF), einer Al-Qaida-nahen Organisation (stern).

Das Paradox

Ein Jugendlicher, der Dschihad-Propaganda im eigenen Land produziert, wird später zum wichtigsten Informanten des Staates gegen eben jene Szene.

Aktivismus und Kontroversen

  • Ab Winter 2009 lieferte Peci dem Bundesamt für Verfassungsschutz Informationen über Terrorverdächtige in Berlin, darunter Mitglieder der Berliner Gruppe und der Deutschen Taliban Mujaheddin (Der Spiegel).
  • Im Sommer 2010 soll er gemeinsam mit Freunden aus der Islamistenszene einen US-Soldaten am Berliner Bahnhof Friedrichstraße zusammengeschlagen haben (Der Spiegel).
  • Peci behauptet, der Verfassungsschutz habe ihm zusätzliches Geld gezahlt, das er an einen Al-Qaida-Kontaktmann weitergegeben habe (stern).

Der Bundestag dokumentiert, dass die Bundesregierung Peci als zentrale Informationsquelle zu jihadistischen Gruppen bewertete und zwischen BfV und BND Informationen ausgetauscht wurden (Deutscher Bundestag (Drucksache 18/10740)). Weitere Details hielt die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit zurück.

Was das bedeutet: Die Fälle zeigen, wie tief das Doppelleben eines V-Manns reicht – und wie schwer es ist, seine Aussagen unabhängig zu verifizieren.

Aktuelle Rolle

Nach seiner Haftentlassung und dem Ende der V-Mann-Tätigkeit trat Peci als Autor und Webvideoproduzent auf. Seit 2020/2023 vertritt er eine christliche Position und äußert sich kritisch zum Islam. Seine Inhalte richten sich vor allem an ein deutschsprachiges Publikum, das nach Orientierung in der Islamdebatte sucht.

Irfan Peci durchlief eine der extremsten Wandlungen der deutschen Sicherheitsgeschichte: Vom Al-Qaida-Propagandisten zum V-Mann, dann zum christlichen Konvertiten – jeder Schritt ist dokumentiert, aber nicht jeder ist unstrittig.

Ist Irfan Peci konvertiert?

Von Al-Qaida zum Christentum?

Ja – nach eigenen Angaben ließ sich Peci taufen und trat aus dem Islam aus. Die Taufe wurde von einem Pfarrer in Deutschland durchgeführt, genaue Datumsangaben fehlen jedoch. Sein Buch „Der Dschihadist“ sowie Interviews mit ZDF und stern begleiteten diesen Schritt (Der Spiegel).

Der Haken

Ehemalige Weggefährten bezweifeln die Echtheit der Bekehrung – eine unabhängige kirchliche Bestätigung oder ein Taufregistereintrag liegt nicht öffentlich vor.

Taufe und öffentliche Aussagen

In der BR-Dokumentation „Zurück vom Terror“ aus dem Jahr 2017 schildert Peci seine Radikalisierung und den späteren Bruch mit dem Islam (BR). Seit 2021 veröffentlicht er regelmäßig Videos, in denen er die christliche Lehre mit seiner Vergangenheit als Islamist kontrastiert. Die Frage, ob es sich um eine echte oder strategische Konversion handelt, bleibt offen.

Das Fazit zur Konversion: Ohne überprüfbare Dokumente bleibt sein Bekenntnis eine Behauptung – glaubhaft für manche, für andere ein weiteres Kapitel wechselnder Identitäten.

Kommt Irfan im Koran vor?

Bedeutung des Namens Irfan

Der Name Irfan (arabisch: عرفان) bedeutet „Erkenntnis“ oder „Wissen“. In der islamischen Mystik bezeichnet „Irfan“ (oft als Sufismus übersetzt) die gnostische Gotteserkenntnis – ein zentrales Konzept, jedoch kein Eigenname im Koran.

Koranische Erwähnung

Der Name Irfan erscheint nicht wörtlich im Korantext. Die Wurzel „arafa“ (erkennen) kommt mehrfach vor, doch als Personenname ist Irfan eine nachkoranische Prägung. Das unterscheidet ihn von biblischen Namen wie Isa oder Musa, die im Koran vorkommen.

Die Verknüpfung mit der Islamdebatte: Peci nutzt seinen Namen bewusst, um eine Brücke zwischen Islam und Christentum zu schlagen – als „der Erkennende“, der den Weg gewechselt hat.

Wie werden Frauen im Islam behandelt?

Irfan Pecis Aussagen zu Frauen

In Interviews legte Peci seine konservative Sichtweise zur Rolle der Frau im Islam dar. Er betonte die komplementäre Rolle der Geschlechter nach seiner damaligen Auslegung der Scharia und kritisierte westliche Gleichheitsvorstellungen. Diese Äußerungen stammen aus der Zeit vor seiner Konversion und sind Teil seiner öffentlichen Auftritte.

Islamische Perspektive

Die islamische Rechtslehre unterscheidet in Erbrecht und Zeugnisrecht zwischen Männern und Frauen. Beispielsweise erhalten Töchter die Hälfte des Erbteils von Söhnen, und das Zeugnis einer Frau ist weniger wertig als das eines Mannes. Moderne muslimische Gelehrte argumentieren jedoch, dass diese Regeln historisch kontextualisiert werden müssen und nicht die Essenz des Islam seien. Peci selbst vertritt in seinen heutigen christlichen Beiträgen die Ansicht, dass der Islam Frauen strukturell benachteilige.

Die Debatte zeigt: Pecis Wandel spiegelt keine objektive Lehre, sondern seine persönliche Entwicklung von einer fundamentalistischen zu einer kritischen Position.

Was bedeutet ☝ im Islam?

Der Zeigefinger im Islam

Die Geste des erhobenen Zeigefingers symbolisiert den Tawhid – die Einheit und Einzigkeit Gottes (Sure 112: „Sag: Er ist Allah, ein Einziger“). Muslime verwenden sie beim Rezitieren des Glaubensbekenntnisses in Gebeten.

Bedeutung der Geste

In der islamistischen Szene hat der Zeigefinger eine politische Dimension gewonnen. Er dient als Erkennungszeichen für die Ablehnung von Demokratie und Pluralismus – der Finger zeigt an, dass allein Gott das Recht zur Gesetzgebung habe. Peci verwendete diese Geste in früheren Videos und auf Social-Media-Profilen.

Verwendung durch Irfan Peci

Auch nach seiner Konversion taucht das Emoji ☝️ in seinen Accounts auf – ob als ironische Referenz oder unbedachte Gewohnheit, bleibt offen. Die Doppeldeutigkeit des Symbols macht es in seinen Postings zu einem reizvollen, aber auch verwirrenden Element.

Die Botschaft: Ein Finger kann Glaubensbekenntnis und Kampfansage zugleich sein.

Zeitleiste

  • 1989: Irfan Peci wird in Jugoslawien geboren.
  • 2006: Radikalisierung als Jugendlicher; Einstieg in die Islamistenszene.
  • 2007: Leitung des deutschsprachigen Propagandaprogramms der GIMF (Al-Qaida).
  • 2009 (Ende): Anwerbung als V-Mann durch das Bundesamt für Verfassungsschutz.
  • 2009–2010: Liefert Informationen über Terrorverdächtige in Berlin.
  • 2010 (Sommer): Beteiligung an einem Überfall auf einen US-Soldaten in Berlin (Der Spiegel).
  • 2015: Veröffentlichung des Buchs „Der Dschihadist“ und Medienauftritte mit Vorwürfen gegen den Verfassungsschutz (stern).
  • 2017: BR-Dokumentation „Zurück vom Terror“ (BR).
  • 2020/2023: Öffentliche Taufe und Bekenntnis zum Christentum.
  • 2024: Aktive Webpräsenz als christlicher Aktivist und Autor.

Klarheit und Zweifel

Bestätigte Fakten

  • Geburtsdatum und -ort: 1989 in Jugoslawien (heute Serbien).
  • Rolle bei Al-Qaida: Leiter der deutschsprachigen GIMF-Propaganda.
  • V-Mann-Tätigkeit: durch Bundestagsdrucksache belegt (Deutscher Bundestag).
  • Überfall auf US-Soldaten: durch mehrere Medien bestätigt (Der Spiegel).

Unklare Punkte

  • Genaues Datum der Taufe: nicht öffentlich dokumentiert.
  • Echtheit der Konversion: von ehemaligen Weggefährten angezweifelt, keine unabhängige kirchliche Bestätigung.
  • Behauptete Zahlungen an Al-Qaida-Kontakte: nicht überprüfbar.
  • Kontaktdaten zu Peci: nirgends verifiziert.

Stimmen und Quellen

„Ich war der perfekte Dschihadist – und dann wurde ich zum V-Mann. Keiner wusste, wer ich wirklich war.“

– Irfan Peci in der BR-Dokumentation „Zurück vom Terror“ (BR)

„Die Bundesregierung sah in Peci eine zentrale Erkenntnisquelle zu jihadistischen Netzwerken in Deutschland.“

– Deutscher Bundestag, Drucksache 18/10740 (Bundestag)

Fazit

Irfan Peci ist ein Mensch, der mehrfach die Seiten gewechselt hat – vom radikalen Islamisten zum V-Mann, dann zum christlichen Konvertiten. Ob seine Taufe echte Überzeugung oder taktisches Kalkül ist, lässt sich nicht abschließend klären. Für Behörden und Medien in Deutschland bleibt er eine ambivalente Figur: Schützling des Staates, der andererseits selbst Gewalt ausübte. Pecis Weg hinterlässt unbeantwortete Fragen – und ein Leben im Schatten der Geheimdienste.

Weitere Quellen

focus.de, welt.de, migazin.de

Besonders aufschlussreich ist die detaillierte Biografie von Irfan Peci über seine Radikalisierung und die anschließende Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz, die ein vielschichtiges Bild der Kontroversen zeichnet.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie wurde Irfan Peci zum V-Mann?

Nach seiner Verhaftung mit 19 Jahren wurde er aus der Haft entlassen unter der Bedingung, für den Verfassungsschutz zu arbeiten. Die BR-Dokumentation beschreibt diese Abmachung als Deal zwischen Terrorverdächtigem und Behörde (BR).

Welche Rolle spielte Irfan Peci bei Al-Qaida?

Er leitete das deutschsprachige Propagandaprogramm der Globalen Islamischen Medienfront, einer al-Qaida-nahen Organisation (stern).

Ist Irfan Peci noch Islamist?

Öffentlich bekennt er sich zum Christentum. Seine früheren Aussagen und sein Umfeld legen jedoch eine strategische Motivation nahe; eine Nachprüfung durch unabhängige Stellen fehlt.

Wo lebt Irfan Peci heute?

Sein aktueller Aufenthaltsort ist nicht öffentlich bekannt. Er tauchte zuletzt als Webvideoproduzent auf, ohne genauen Standort.

Hat Irfan Peci ein Buch geschrieben?

Ja, 2015 erschien „Der Dschihadist“, in dem er seine Radikalisierung und die V-Mann-Zeit schildert (Der Spiegel).

Was sagt der Verfassungsschutz zu Irfan Peci?

Behörden äußern sich nicht zu laufenden Fällen. Der Bundestag bestätigte, dass Informationen ausgetauscht wurden (Bundestag).

Gibt es einen Wikipedia-Artikel zu Irfan Peci?

Ja, ein eigener Artikel existiert und fasst seine Biografie zusammen (Wikipedia).

Welche Kontroversen umgibt Irfan Peci?

Neben der Frage der Konversion wird ihm vorgeworfen, islamistische Gewalt verharmlost zu haben. Zudem sind seine Verbindungen zum Sandzak und zu bosnischen Netzwerken umstritten.

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